Nachdem wir Rotorua verlassen hatten
sind wir in Te Puke vorbeigekommen, der selbsternannten „Kiwifruit
Capital“ der Welt. Mit der Bezeichnung „Kiwi“ muss man hier
etwas aufpassen: Ein Kiwi ist ein flügelloser Laufvogel, der vom
Aussterben bedroht und Neuseelands Nationaltier ist. Außerdem
bezeichnen die Neuseeländer sich selbst als Kiwis. Wenn jemand von
Kiwis redet muss man also dem Zusammenhang entnehmen ob er einen
Vogel oder einen menschlichen Bewohner des Landes meint. Die
braungrüne, haarige Frucht, die wir üblicherweise als Kiwi
bezeichnen heißt hier „Kiwifruit“. Aber was liegt bei so vielen
Kiwis näher, als in der Kiwifruit-Industrie zu arbeiten? Die
Erntesaison neigt sich dem Ende zu und die Kiwis müssen verpackt
werden. Wir haben Arbeit in einem der vielen Packhäuser in Te Puke
gefunden. Ich arbeite als Packer. Ich stehe vor einem Fließband auf
dem Pappkisten mit einer großen Plastiktüte voll Kiwis ankommen.
Die Kisten werden maschinell befüllt und dazu ist der Rand der
Plastiktüte über die Kartonwand gekrempelt. Meine Aufgabe ist es
jetzt, die Tüte wieder hochzukrempeln über die Kiwis zu legen und
das was übrig ist zwischen Kiwis und Kartonwand festzustecken.
Danach muss ich die beiden Pappdeckelhälften der Box schließen.
Ggf. muss ich am Anfang die Kiwis im Karton so umverteilen, dass der
Deckel überhaupt zu geht. Das war jetzt eine recht ausführliche
Beschreibung für einen Vorgang der weniger als 10 Sekunden dauert,
danach kommt die nächste Kiste. Heiko arbeitet als „Stacker“.
Die müssen die etwa 10 kg schweren Kartons dann auf Paletten
stapeln, damit sie vom Gabelstapler weggebracht werden können.
Manchmal darf er auch Beschriftungen aufkleben oder neuen Paletten
holen.
Um sich bei der Arbeit zu unterhalten,
ist es zu laut und MP3-Player oder ähnliches sind aus
Sicherheitsgründen verboten.
Wir sind in der Tagschicht. Die geht
von 8:00 bis 19:00 Uhr. Es gibt drei kleine Pausen von jeweils 10
Minuten gegen 10:30 Uhr, 16 Uhr und 18 Uhr und eine längere
Mittagspause von 13:30 -14:00 Uhr. Die anderen 10 Stunden wird
gearbeitet, normalerweise 6 Tage die Woche. Zusammenfassend kann man
sagen: Das ist mit Abstand das langweiligste, was ich je gemacht habe, aber da
man über 60 Stunden pro Woche arbeitet, müssen wir das nicht so
lange machen :)
Die anderen Arbeiter kommen aus den
unterschiedlichsten Teilen der Welt. Viele sind Asiaten, viele
Südamerikaner, aber auch Neuseeländer inklusive Maoris und
natürlich einige Deutsche, wie überall hier. Die meisten sind in
unserem Alter oder jünger (glaube ich.. asiatische Frauen kann man
immer so schlecht schätzen....) und alle sind total motiviert
und fröhlich. Ich dachte bei so einer Art von Arbeit gehen alle
desinteressiert ihrer Tätigkeit nach und lassen alles fallen sobald
die Uhr Feierabend zeigt, aber die Leute singen oder pfeifen und
sobald das Band mal stehen bleibt oder irgendwas nicht läuft wie es
soll, rennt jemand los und bringt es in Ordnung, egal ob das sein Job
ist oder nicht. Die Arbeiter fordern sich gegenseitig heraus, wer
schneller packen kann und keiner geht, bevor der letzte Karton nicht
den eigenen Laufbandabschnitt verlassen hat.
Mir gegenüber steht ein Chinese, der
China noch nie verlassen hat, bevor er vor einigen Wochen nach
Neuseeland kam. Er spricht aber sehr gut Englisch, weil er das in
China studiert hat. Er konnte sich gar nicht vorstellen, dass ich
kein Visum beantragen muss, wenn ich als Deutsche nach Belgien
einreisen möchte und erst recht nicht, dass es keine Grenzkontrolle
gibt. Am Fließband hinter mir steht ein Inder, der meistens lauthals
am Singen ist.
Unseren ersten freien Tag hatten wir am
Montag. Da war Feiertag und es wurde „Queen's Birthday“ gefeiert.
Am Tag davor hatten wir überraschend schon Mittags Feierabend, also
insgesamt 1,5 Tage Freizeit :) Den Sonntag Nachmittag haben wir in
Rotorua verbracht. Da war ein kleines Blues Festival und wir haben
uns einige der Bands angehört.
 |
| Bühne des Blues Festivals |
Am Montag sind wir nach Mount Maunganui
gefahren, sind durch die Stadt gebummelt, waren ein wenig am Strand
spazieren und haben den kleinen Berg nachdem die Stadt benannt ist,
bestiegen. Anschließend waren wir im Schwimmbad und haben uns im
heißen Salzwasserpool von der anstrengenden Woche erholt :)
 |
Blick vom Berg Mount Maunganui
auf die Stadt Mount Maunganui |
Jetzt besteht unser Tagesablauf wieder
ausschließlich aus Arbeiten, Essen, Duschen und Schlafen. Falls ihr
also demnächst im Supermarkt Kiwis seht, auf denen „Zespri“
draufsteht, haben wir die vielleicht verpackt.
 |
| Kiwi mit Balkon |