Samstag, 28. Juni 2014

Erste Eindrücke aus Asien

Von Auckland aus sind wir am Dienstag nach Singapur geflogen: Voll besetztes Flugzeug, kein Entertainment-System und elf Stunden Flugzeit... Die nur mäßig freundlichen Stuarts sind in den ganzen elf Stunden drei mal mit ihrem Wägelchen vorbeigefahren und haben gefragt, ob wir Getränke oder Snacks kaufen möchten. Ansonsten gab es einen Wasserspender gegenüber der Toilettenkabine, wo man Trinkwasser zapfen konnte. Die Airline war übrigens Jetstar. Da wir den Flug über Quantas gebucht hatten, wurden wir den anderen Passagieren gegenüber deutlich bevorzugt: Wir haben Decken bekommen und das kleine Paket mit frischen Socken, Zahnbürste und Zahnpasta, Ohrstöpseln, Schlafbrille und anderen mehr oder weniger nützlichen Sachen. Außerdem haben wir zweimal was warmes zu Essen und dazu Tee oder Kaffee bekommen :) Seltsames Gefühl, wenn die Sitznachbarn nichts kriegen...
Kurz vor Sonnenuntergang sind wir in Singapur gelandet. Der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt jetzt nur noch sechs Stunden, die wir voraus sind. Zum Fußball gucken ist das immer noch nicht praktischer... Nachdem wir unser Gepäck und den Stempel im Reisepass hatten, war es auch dunkel, aber immer noch fast 30°C warm. Wir haben in einem Hostel im Stadtteil Little India gewohnt und von da aus die Stadt erkundet.
Wir haben erstmal ein Paket nach Hause geschickt, mit Sachen die wir hier nicht mehr brauchen und nicht die ganze Zeit tragen wollen: Das waren hauptsächlich unsere dicken Schlafsäcke, Winterklamotten und Reiseführer von Neuseeland und ganz wichtig: USB-Sticks mit Sicherungskopien unserer Fotos und Videos. Das Paket wird jetzt per Schiff nach Deutschland gebracht, was ungefähr zwei Monate dauert.
Obwohl wir näher an Deutschland dran sind, als vorher ist alles viel fremder. Das Klima ist anders, heiß und schwül, es riecht irgendwie anders und die Menschen sprechen Sprachen, die ich nicht verstehe. Das einzige was gleich bleibt sind die überall vertretenen, bekannten Fastfoodketten und der Standardnachrichtenton von Android, den man ständig irgendwo hört, wo Menschen unterwegs sind. An den folgenden zwei Tagen haben wir uns die Innenstadt von Singapur, Chinatown und Little India angeschaut.

Chinatown

Casino

"Merlion", das Wahrzeichen von Singapur
Außerdem haben wir interessante Sachen zu Essen gesehen und getestet: Das erste war „Coke Float“: Cola mit Softeis oben drauf. Sieht nach dem ersten Schluck nicht mehr so schön aus, ist aber lecker. Später gab es Eis, aber nicht wie bei uns im Hörnchen, sondern als dicke Scheibe in einem rosa und grün gefärbten Toastbrot. Auch das war lecker :)

Eis auf Toast

Hauptsache bunt und süß
Danach sind wir nach Kuching geflogen. Das ist auf dem malayischen Teil von Borneo. Wir sind mit Malaysia Airlines geflogen und bevor jemand fragt: Wir haben den Flug MH370 unterwegs nicht gefunden ;). Der Service war wesentlich besser: Der Flug dauerte nur 65 Minuten und trotzdem gab es eine warme Mahlzeit und zwischendurch Getränke, (die man nicht extra zahlen musste). Da hatte man gar keine Zeit sich mit dem Entertainment-System im Sitz vor einem zu beschäftigen.
Unser erster Eindruck war, dass Kuching eher verschlafen ist und wenig Leute unterwegs sind, obwohl es auch eine Großstadt ist. Dann wurde es 17 Uhr und überall tauchten Essstände an der Hafenpromenade auf und es öffneten Restaurants und Cafés.
Essen gehen ist hier ziemlich günstig. Das Essen für zwei Leute (gebratenen Reis oder Nudeln mit Gemüse) und Getränke zahlt man ca. 12 malayische Ringit. Das sind umgerechnet etwas weniger als drei Euro... Bevor ich nicht einige Vokabeln gelernt habe, um die Speisekarte zu verstehen, ernähre ich mich vorsichtshalber erstmal vegetarisch ;)

Straße in Kuching
Flussufer am Abend
Kuching heißt auf deutsch "Katze" und da gibt es hier viele von: Als Statuen und Brunnen und streunend überall in der Stadt. In jeder Ecke liegt eine schlafende Katze und lässt sich von niemandem stören.

Katzenbrunnen
 Die meisten Menschen hier gehören dem Islam an, aber es gibt neben Moscheen auch chinesische, buddhistische und hinduistische Tempel und christliche Kirchen. Wir haben einen chinesischen Tempel gesehen, in dem gab es ein Becken mit Schildkröten. Eine war vergoldet.

Dach eines chinesischen Tempels

Vergoldete Schildkröte

Fischerboote
und im Hintergrund ein Gerichtsgebäude

Durch die Stadt fließt ein Fluss, den man mit kleinen Booten überqueren kann. Für umgerechnet etwa 15 Cent wird man ans gegenüberliegende Ufer gebracht.

Fährservice

Außer Katzen gibt es auch viele Geckos, die schnell in irgendwelchen Ritzen verschwinden, wenn sie einen sehen. 


Gecko auf einer Werbetafel
Von Kuching aus werden wir Ausflüge in die Umgebung unternehmen, bevor wir dann an der Westküste Borneos Richtung Norden reisen. Im nächsten Eintrag gibt's dann auch wieder Fotos, wo ich auch drauf bin ;) 

Samstag, 21. Juni 2014

Hobbiton - Coromandel Peninsula - Auckland

Nachdem die Arbeit im Packhaus zu Ende war, haben wir uns auf den Weg Richtung Auckland gemacht. Mit einem kleinen Umweg vorbei an Hobbiton und über die Coromandel Peninsula. 
In "Hobbiton" kann man durch das Hobbitdorf gehen, in dem die Herr der Ringe und Hobbit Filme gedreht wurden, oder zumindest einige der Szenen. Die Drehorte sind über das ganze Land verteilt.  

"Gandalf Cut" Hier fährt Gandalf mit seiner Kutsche
in das Hobbitdorf

Hier in Hobbiton kann man die Höhlen nur von außen sehen. Die Innenaufnahmen wurden in Wellington im Studio gedreht. Um die Schauspieler größer oder kleiner wirken zu lassen, gibt es Höhleneingänge in verschiedenen Größen. Gärtner sind das ganze Jahr unterwegs und halten das Dorf in stand. Überall blühen Blumen oder ist der Jahreszeit entsprechendes Obst und Gemüse arrangiert, zur Zeit also Kürbisse und Äpfel. Der einzige unechte Baum ist die Eiche über Beutelsend, der Heimat von Bilbo und später Frodo. Sie besteht aus Stahl und jeder Menge Kunststoff-Blättern. Dank des schlechten Wetters mit viel Wind besitzen wir jetzt eine original Filmrequisite: Ein künstliches Eichenblatt, dass wir vor der Höhle von Bilbo bzw. Frodo gefunden haben! :) Keiner von beiden war zu Hause...

Hobbithöhlen, oben links: Beutelsend und darüber
die künstliche Eiche

Ein kleinerer Höhleneingang, vor dem auch wir größer
wirken


Eingang von Beutelsend


"The Green Dragon"

Zum Abschluss der Tour gab es im "Green Dragon" ein Getränk für jeden Teilnehmer. Jetzt müssen wir auf jeden Fall die Filme nochmal anschauen um zu sehen, ob wir die Drehorte wiedererkennen :)


Bunte Hobbithöhlen
Danach ging es weiter auf die Coromandel Halbinsel. Hier gibt es außer Wald und schönen Stränden wieder einen Hotwater Beach.



Rettung vor der Flut :) 

Cathedral Cove
Da es so windig war, waren die Wellen recht hoch und trotz Ebbe ist das Wasser nicht weit zurück gegangen. Um sich einen Hotpool zu graben war also wenig Platz. Außerdem wurden die vorhandenen Pools von anderen Leuten alle paar Minuten von einer kalten Welle überschwemmt. Deshalb haben wir diesmal keinen gebaut.
Hotwater Beach
Auf dem Weg nach Auckland haben wir bei den Hainua Falls übernachtet. Hier wurden wir das erste mal auf unserer Reise von einem Ranger geweckt, weil wir, naja sagen wir mal übersehen haben, dass man sich per Telefon anmelden und bezahlen muss. Konnten wir aber problemlos nachholen.

Hainua Falls
Weiter ging es nach Auckland. Das ist mit etwa 1,4 Mio Einwohnern eine richtige Großstadt, nicht nur für neuseeländische Verhältnisse. Ungewöhnlich viele Menschen, wenn man bedenkt, dass ganz Neuseeland nur etwa 4,4 Mio Einwohner hat.

Auckland CBD

Auckland bei Nacht

Um dem Trubel noch ein bisschen zu entgehen, haben wir erst in der Innenstadt Zettel in Hostels verteilt und im Internet inseriert, dass unser Auto zu verkaufen ist und dann auf einem Campingplatz außerhalb der Stadt neben einer Art Streichelzoo mit Farmtieren übernachtet. 

Vegetarier unter sich ;) 
Heute haben wir Mellow Yellow verkauft und sind jetzt in ein Hostel eingezogen. Nach fast drei Monaten, die wir im Auto geschlafen haben, ist ein richtiges Bett auch mal wieder schön :) Genauso wie beheizte Schlafräume und Badezimmer, denn es ist ja schließlich mitten im Winter (auch wenn man das nicht merkt, wenn man im T-Shirt durch die Stadt läuft).
Am Dienstag geht der Flug nach Singapur, von wo aus wir Malaysia und Indonesien bereisen werden.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Kiwis, Kiwis und noch mehr Kiwis

Nachdem wir Rotorua verlassen hatten sind wir in Te Puke vorbeigekommen, der selbsternannten „Kiwifruit Capital“ der Welt. Mit der Bezeichnung „Kiwi“ muss man hier etwas aufpassen: Ein Kiwi ist ein flügelloser Laufvogel, der vom Aussterben bedroht und Neuseelands Nationaltier ist. Außerdem bezeichnen die Neuseeländer sich selbst als Kiwis. Wenn jemand von Kiwis redet muss man also dem Zusammenhang entnehmen ob er einen Vogel oder einen menschlichen Bewohner des Landes meint. Die braungrüne, haarige Frucht, die wir üblicherweise als Kiwi bezeichnen heißt hier „Kiwifruit“. Aber was liegt bei so vielen Kiwis näher, als in der Kiwifruit-Industrie zu arbeiten? Die Erntesaison neigt sich dem Ende zu und die Kiwis müssen verpackt werden. Wir haben Arbeit in einem der vielen Packhäuser in Te Puke gefunden. Ich arbeite als Packer. Ich stehe vor einem Fließband auf dem Pappkisten mit einer großen Plastiktüte voll Kiwis ankommen. Die Kisten werden maschinell befüllt und dazu ist der Rand der Plastiktüte über die Kartonwand gekrempelt. Meine Aufgabe ist es jetzt, die Tüte wieder hochzukrempeln über die Kiwis zu legen und das was übrig ist zwischen Kiwis und Kartonwand festzustecken. Danach muss ich die beiden Pappdeckelhälften der Box schließen. Ggf. muss ich am Anfang die Kiwis im Karton so umverteilen, dass der Deckel überhaupt zu geht. Das war jetzt eine recht ausführliche Beschreibung für einen Vorgang der weniger als 10 Sekunden dauert, danach kommt die nächste Kiste. Heiko arbeitet als „Stacker“. Die müssen die etwa 10 kg schweren Kartons dann auf Paletten stapeln, damit sie vom Gabelstapler weggebracht werden können. Manchmal darf er auch Beschriftungen aufkleben oder neuen Paletten holen.
Um sich bei der Arbeit zu unterhalten, ist es zu laut und MP3-Player oder ähnliches sind aus Sicherheitsgründen verboten.
Wir sind in der Tagschicht. Die geht von 8:00 bis 19:00 Uhr. Es gibt drei kleine Pausen von jeweils 10 Minuten gegen 10:30 Uhr, 16 Uhr und 18 Uhr und eine längere Mittagspause von 13:30 -14:00 Uhr. Die anderen 10 Stunden wird gearbeitet, normalerweise 6 Tage die Woche. Zusammenfassend kann man sagen: Das ist mit Abstand das langweiligste, was ich je gemacht habe, aber da man über 60 Stunden pro Woche arbeitet, müssen wir das nicht so lange machen :)
Die anderen Arbeiter kommen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt. Viele sind Asiaten, viele Südamerikaner, aber auch Neuseeländer inklusive Maoris und natürlich einige Deutsche, wie überall hier. Die meisten sind in unserem Alter oder jünger (glaube ich.. asiatische Frauen kann man immer so schlecht schätzen....) und alle sind total motiviert und fröhlich. Ich dachte bei so einer Art von Arbeit gehen alle desinteressiert ihrer Tätigkeit nach und lassen alles fallen sobald die Uhr Feierabend zeigt, aber die Leute singen oder pfeifen und sobald das Band mal stehen bleibt oder irgendwas nicht läuft wie es soll, rennt jemand los und bringt es in Ordnung, egal ob das sein Job ist oder nicht. Die Arbeiter fordern sich gegenseitig heraus, wer schneller packen kann und keiner geht, bevor der letzte Karton nicht den eigenen Laufbandabschnitt verlassen hat. 
Mir gegenüber steht ein Chinese, der China noch nie verlassen hat, bevor er vor einigen Wochen nach Neuseeland kam. Er spricht aber sehr gut Englisch, weil er das in China studiert hat. Er konnte sich gar nicht vorstellen, dass ich kein Visum beantragen muss, wenn ich als Deutsche nach Belgien einreisen möchte und erst recht nicht, dass es keine Grenzkontrolle gibt. Am Fließband hinter mir steht ein Inder, der meistens lauthals am Singen ist.
Unseren ersten freien Tag hatten wir am Montag. Da war Feiertag und es wurde „Queen's Birthday“ gefeiert. Am Tag davor hatten wir überraschend schon Mittags Feierabend, also insgesamt 1,5 Tage Freizeit :) Den Sonntag Nachmittag haben wir in Rotorua verbracht. Da war ein kleines Blues Festival und wir haben uns einige der Bands angehört.

Bühne des Blues Festivals 

Am Montag sind wir nach Mount Maunganui gefahren, sind durch die Stadt gebummelt, waren ein wenig am Strand spazieren und haben den kleinen Berg nachdem die Stadt benannt ist, bestiegen. Anschließend waren wir im Schwimmbad und haben uns im heißen Salzwasserpool von der anstrengenden Woche erholt :)

Blick vom Berg Mount Maunganui
auf die Stadt Mount Maunganui


Jetzt besteht unser Tagesablauf wieder ausschließlich aus Arbeiten, Essen, Duschen und Schlafen. Falls ihr also demnächst im Supermarkt Kiwis seht, auf denen „Zespri“ draufsteht, haben wir die vielleicht verpackt.

Kiwi mit Balkon