Donnerstag, 5. Juni 2014

Kiwis, Kiwis und noch mehr Kiwis

Nachdem wir Rotorua verlassen hatten sind wir in Te Puke vorbeigekommen, der selbsternannten „Kiwifruit Capital“ der Welt. Mit der Bezeichnung „Kiwi“ muss man hier etwas aufpassen: Ein Kiwi ist ein flügelloser Laufvogel, der vom Aussterben bedroht und Neuseelands Nationaltier ist. Außerdem bezeichnen die Neuseeländer sich selbst als Kiwis. Wenn jemand von Kiwis redet muss man also dem Zusammenhang entnehmen ob er einen Vogel oder einen menschlichen Bewohner des Landes meint. Die braungrüne, haarige Frucht, die wir üblicherweise als Kiwi bezeichnen heißt hier „Kiwifruit“. Aber was liegt bei so vielen Kiwis näher, als in der Kiwifruit-Industrie zu arbeiten? Die Erntesaison neigt sich dem Ende zu und die Kiwis müssen verpackt werden. Wir haben Arbeit in einem der vielen Packhäuser in Te Puke gefunden. Ich arbeite als Packer. Ich stehe vor einem Fließband auf dem Pappkisten mit einer großen Plastiktüte voll Kiwis ankommen. Die Kisten werden maschinell befüllt und dazu ist der Rand der Plastiktüte über die Kartonwand gekrempelt. Meine Aufgabe ist es jetzt, die Tüte wieder hochzukrempeln über die Kiwis zu legen und das was übrig ist zwischen Kiwis und Kartonwand festzustecken. Danach muss ich die beiden Pappdeckelhälften der Box schließen. Ggf. muss ich am Anfang die Kiwis im Karton so umverteilen, dass der Deckel überhaupt zu geht. Das war jetzt eine recht ausführliche Beschreibung für einen Vorgang der weniger als 10 Sekunden dauert, danach kommt die nächste Kiste. Heiko arbeitet als „Stacker“. Die müssen die etwa 10 kg schweren Kartons dann auf Paletten stapeln, damit sie vom Gabelstapler weggebracht werden können. Manchmal darf er auch Beschriftungen aufkleben oder neuen Paletten holen.
Um sich bei der Arbeit zu unterhalten, ist es zu laut und MP3-Player oder ähnliches sind aus Sicherheitsgründen verboten.
Wir sind in der Tagschicht. Die geht von 8:00 bis 19:00 Uhr. Es gibt drei kleine Pausen von jeweils 10 Minuten gegen 10:30 Uhr, 16 Uhr und 18 Uhr und eine längere Mittagspause von 13:30 -14:00 Uhr. Die anderen 10 Stunden wird gearbeitet, normalerweise 6 Tage die Woche. Zusammenfassend kann man sagen: Das ist mit Abstand das langweiligste, was ich je gemacht habe, aber da man über 60 Stunden pro Woche arbeitet, müssen wir das nicht so lange machen :)
Die anderen Arbeiter kommen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt. Viele sind Asiaten, viele Südamerikaner, aber auch Neuseeländer inklusive Maoris und natürlich einige Deutsche, wie überall hier. Die meisten sind in unserem Alter oder jünger (glaube ich.. asiatische Frauen kann man immer so schlecht schätzen....) und alle sind total motiviert und fröhlich. Ich dachte bei so einer Art von Arbeit gehen alle desinteressiert ihrer Tätigkeit nach und lassen alles fallen sobald die Uhr Feierabend zeigt, aber die Leute singen oder pfeifen und sobald das Band mal stehen bleibt oder irgendwas nicht läuft wie es soll, rennt jemand los und bringt es in Ordnung, egal ob das sein Job ist oder nicht. Die Arbeiter fordern sich gegenseitig heraus, wer schneller packen kann und keiner geht, bevor der letzte Karton nicht den eigenen Laufbandabschnitt verlassen hat. 
Mir gegenüber steht ein Chinese, der China noch nie verlassen hat, bevor er vor einigen Wochen nach Neuseeland kam. Er spricht aber sehr gut Englisch, weil er das in China studiert hat. Er konnte sich gar nicht vorstellen, dass ich kein Visum beantragen muss, wenn ich als Deutsche nach Belgien einreisen möchte und erst recht nicht, dass es keine Grenzkontrolle gibt. Am Fließband hinter mir steht ein Inder, der meistens lauthals am Singen ist.
Unseren ersten freien Tag hatten wir am Montag. Da war Feiertag und es wurde „Queen's Birthday“ gefeiert. Am Tag davor hatten wir überraschend schon Mittags Feierabend, also insgesamt 1,5 Tage Freizeit :) Den Sonntag Nachmittag haben wir in Rotorua verbracht. Da war ein kleines Blues Festival und wir haben uns einige der Bands angehört.

Bühne des Blues Festivals 

Am Montag sind wir nach Mount Maunganui gefahren, sind durch die Stadt gebummelt, waren ein wenig am Strand spazieren und haben den kleinen Berg nachdem die Stadt benannt ist, bestiegen. Anschließend waren wir im Schwimmbad und haben uns im heißen Salzwasserpool von der anstrengenden Woche erholt :)

Blick vom Berg Mount Maunganui
auf die Stadt Mount Maunganui


Jetzt besteht unser Tagesablauf wieder ausschließlich aus Arbeiten, Essen, Duschen und Schlafen. Falls ihr also demnächst im Supermarkt Kiwis seht, auf denen „Zespri“ draufsteht, haben wir die vielleicht verpackt.

Kiwi mit Balkon

5 Kommentare:

  1. Hallo Ihr Zwei, ich hoffe Ihr könnt trotz der Arbeit Euren Trip weiterhin geniessen. Die tollen Berichte und Bilder sind echt beeindruckend.
    Ich glaube ja, dass Ihr eigentlich schon Plattfüße haben müsst : ))
    Ganz lieben Gruß Gilla

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  2. Hallo Ihr Beiden, wir werden Kiwis demnächst mehr Beachtung schenken, wobei ich den Namen schon mal gelesen habe.
    Alles Liebe für Euch
    auch von den Dicken ; )

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  3. Hallöchen Becki, heute habe ich bei Aldi Nord eine Zespri-Kiwi gekauft. Eine “golden Kiwi“, um genau zu sein. Ob du die wohl in der Hand hattest? Ob Heiko wohl die Kiste geschleppt hat? Wie auch immer: frohes Schaffen und weiterhin viel Spaß! Flukke

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  4. Hey Becki, ist wirklich richtig unterhaltsam, was du alles schreibst! Was habt ihr denn pro Stunde oder in einer Woche dort verdient??

    Ich bin vorgestern in Buenos Aires angekommen und bleibe noch ein paar Tage, weil es so cool hier ist!

    Wandern und was sehen kann man auch wunderbar in Südamerika :-)
    Da müsst ihr nach dem Master auch mal hin ;-)
    Adi

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  5. Hi,
    In Neuseeland gibt es den Mindestlohn und bei so einer Arbeit verdient man auch nicht mehr, aber der ist gar nicht soo schlecht. Neuseeland ist auch sonst recht fortschrittlich. Das war zum Beispiel das erste Land, dass das Frauenwahlrecht eingeführt hat.

    Liebe Grüße!

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