Montag, 21. Juli 2014

Brunei - KK - Bali

In unserem Hostel in Bruneis Hauptstadt Bandar Seri Begawan, kurz BSB, haben wir drei junge, muslimische Frauen kennengelernt und haben den Vormittag gemeinsam verbracht. Erst sind wir mit einem Boot zur Shoppingmall gefahren. Eigentlich wären es auch nur ein paar Minuten zu Fuß gewesen, aber weil die drei gefastet haben (es ist ja immer noch Ramadhan), mussten sie Energie sparen, deshalb die kurze Bootsfahrt. Danach sind wir zur gegenüberliegenden Flussseite, zu einem kleinen Museum gefahren. Die drei haben viel erzählt über ihr Land, ihre Kultur und Traditionen und während sie uns das traditionelle Congkak-Spiel beigebracht haben, haben wir mit Vorurteilen aufgeräumt: „Nein, wir Deutschen haben nichts gegen Juden“. Aus ihrer Sicht haben wir sicher ähnlich befremdliche Fragen gestellt, z.B. zum Thema arrangierte Ehen, was heute längst nicht mehr der Normalfall ist. Wir haben uns lange unterhalten über Politik, Kultur und Religion und es war ein wirklich interessantes Gespräch. Sie haben unter anderem gefragt, warum es bei uns zu Ostern den Osterhasen gibt. Das konnte ich so spontan nicht mal beantworten. 

Congkak: traditionelles Spiel in Malaysia,
Indonesien und Singapur
 Die drei haben unseren Aufenthalt in Brunei viel interessanter gemacht und nachdem wir erfolgreich nicht verhungert sind, haben wir das kleine Sultanat mit der Fähre verlassen, weiter Richtung Norden, wieder nach Malaysia. Dabei haben wir einen kurzen Zwischenstopp auf Pulau Labuan eingelegt. Auf dieser malayischen Insel reiht sich ein Dutyfree-shop an den nächsten. Hier kann man immerhin günstig Bier trinken, nachdem es in Brunei gar keinen Alkohol gab.
Dann sind wir in Kota Kinabalu (kurz KK) angekommen. Hier haben wir im Hostel ein nettes Pärchen kennengelernt, mit denen wir in einem Tierpark in der Nähe waren und nachts um drei das Finale der WM geschaut haben :)  

Fett gefütterter Tiger im Tierpark

KK von oben
Von KK ging es weiter nach Bali in Indonesien. Indonesien besteht aus etwa 17 000 Inseln und Bali ist wohl eine der bekanntesten. Gelandet sind wir in Denpasar. Die erste interessante Erfahrung habe ich schon am Flughafen gemacht: Da man für einen Euro knapp 16 000 IDR (indonesische Rupiah) bekommt, hab ich das erste mal am Bankautomaten einen Millionenbetrag eingegeben ^^.
Die erste Nacht haben wir in Kuta verbracht. Das was für die Deutschen der Ballermann auf Mallorca ist, ist wohl Kuta für die Australier: Sonne, Strand und jede Menge Bars, Cafes und Diskotheken. Dementsprechend voll ist es in dem Ort.

Nicht nur zum Sonnenuntergang ist es voll am Strand

Sonnenuntergang in Kuta
 Unser Hotel war auf einer engen Straße, wo Autos nicht durchfahren können, dafür aber Roller. Und davon gibt es etliche auf Bali. Kaum zu glauben, was so ein Roller alles transportieren kann: Ganze Familien mit Vater, Mutter und drei Kindern haben wir auf einem Roller gesehen, oder ganze Verkaufststände inklusive kleiner Küche.
Es gibt unzählige kleine Geschäfte in denen man Souvenirs und Kleidung kaufen kann und jeder der Verkäufer versucht einen zu überzeugen hereinzukommen. Dauernd wird man angesprochen ob man eine Massage, ein Taxi oder sonst irgendwas kaufen möchte. Heiko wird dabei oft mit „Sir“, „Boss“ oder „my friend“ angesprochen, ich mit „Miss“ oder „Darling“. Nein, Darling möchte keine Massage, keine Maniküre und auch kein Mariuhana kaufen. Vielleicht lass ich mir von dem nächsten, der mir ein Henna-Tattoo andrehen möchte „Nein Danke“ auf die Stirn tätowieren...

Eines der vielen Geschäfte auf der Straße
Von Kuta ging es weiter nach Candidasa um Flukke und Ann-Katrin zu besuchen, Freunde aus Deutschland, die ihren Urlaub hier verbracht haben :)
Wir haben zusammen, nach der Besichtigung einer Tempelanlage, eine abenteuerliche Wanderung an einem See entlang durch den Wald unternommen. Da wir irgendwie falsch abgebogen waren, sind wir nicht am erwarteten Treffpunkt mit unserem Fahrer angekommen und haben mal nach dem Weg gefragt. Da stellte sich heraus, dass wir viel zu weit bergauf gelaufen waren und wieder runter müssen. Der junge Mann am Cafe hat uns eine Abkürzung empfohlen, der wir gefolgt sind. Diese führte mitten durch ein terrassenförmig angelegtes, steiles Feld und endete im Garten einer Familie. Der steile Abstieg mitten durch die Pflanzen hat so lange gedauert, dass wir auf der Straße wahrscheinlich nicht länger gebraucht hätten, aber das wäre ja langweilig gewesen ;)

Wie es sich gehört in einem hinduistischen Tempel:
Mit einem Sarong bekleidet

Ann-Katrin, Flukke und Heiko :) 

Durch dieses Feld ging unser Abstieg

Auf dem Rückweg haben wir noch
bei einem Wasserfall gehalten 

 Am nächsten Tag haben wir erstmal in der Hotelanlage die Füße hochgelegt um uns von der Wanderung zu erholen.

Aussicht von der Sonnenliege ;)

Jetzt sind wir in Ubud. Hier gibt se viele Künstler die Bilder, Schnitzarbeiten und Steinskulpturen verkaufen. Viele Häuser und Tempel sind hier aufwändig verziert und auch bei dem traditionellen Kecak and Fire Dance tragen die Tänzer aufwendige Kostüme.


Handgeschnitzte Figuren in einem der Geschäfte

Tänzer beim Kecak Dance

Gestern waren wir im Monkey Forest, wo unzählige Affen die Touristen belustigen oder ihre Sachen klauen.  

Schüchtern sind die Affen auf
jeden Fall nicht 

Auf dem Rückweg gab es noch einen der unschlagbaren
Fruchtcocktails für 50Cent ;)
Jetzt sitze ich auf der kleinen Terrasse unseres Bungalows während Heiko bei dem Besitzer der Anlage Musikunterricht nimmt und Gamelan spielen lernt :)

Eingang zu unserer Bungalowanlage

Veranda unseres Bungalows

Donnerstag, 10. Juli 2014

Welcome to the Jungle!

Das beeindruckende an Borneo ist die Pflanzen- und Tierwelt des Regenwaldes. Deshalb haben wir uns nach soviel Zivilisation in den letzten Tagen in den Dschungel begeben. Von Kuching aus haben wir zwei Nationalparks besucht: Der erste war der Gunung Gading Nationalpark in dem man, wenn man Glück hat, die größte Blume der Welt sehen kann. Die „Rafflesia“ kann einen Blütendurchmesser von bis zu 1m erreichen, aber sie blüht nicht regelmäßig, sehr selten und nur wenige Tage lang. Wir hatten Glück und haben ein kleineres (und nicht mehr ganz so hübsches) Exemplar der Pflanze sehen können.

Rafflesia

Um die Pflanze abseits des Weges zu finden, waren wir mit einem Guide unterwegs, die uns auch andere Tiere des Urwalds gezeigt hat. Manche sind harmlos, wie z. B. dieser Milliped (eine Art Tausendfüßler).

Tausendfüßler


Diese beiden sind immer zu zweit
unterwegs und machen ziemlich
viel Krach, für so kleine Tiere

Andere sind nicht so harmlos, wie diese Tarantel. Wer mich kennt, wird sich wundern, dass ich bei diesem Anblick nicht schreiend aus dem Wald gerannt bin, aber das Foto ist nur Dank des weitreichenden Zooms meiner Kamera entstanden. Gefährlich oder nicht, den Spinnen komme ich freiwillig eh nicht zu nahe...

Tarantel, die wie ein Menschengesicht aussieht

Als nächstes waren wir im Bako Nationalpark, den man nur per Boot erreichen kann. Dafür kann man aber im Park in Bungalows übernachten, was wir auch zwei Nächte lang gemacht haben. Hier wird man immerhin schonmal mit einem informativen Warnschild auf die gefährliche Tierwelt hingewiesen.


Und auch auf weitere ernstzunehmende Gefahren.


Die einzigen Tiere, die einen wirklich attackieren sind diese Affen. Wenn man auf der Terrasse der Cafeteria sitzt, springen die Affen über die Brüstung auf den Tisch und klauen einem das Essen vom Teller während man isst. Uns wurde nichts geklaut, aber dem Nachbartisch. Morgens wurden wir von Affen geweckt, die auf dem Dach des Bungalows herum gesprungen sind.

Erst tun sie so, als wenn sie nie etwas
böses anstellen könnten...

Affenfamilie
"Bearded Pig"

Eigentlich fährt man nach Bako um Proboscis-Affen zu sehen. Das sind die hellbraunen, recht großen Affen mit der langen, herunter hängenden Nase. Die haben wir auch gesehen, aber es ist leider kein veröffentlichungswürdiges Fotos zustande gekommen.
Stattdessen haben wir andere fotogene Tiere gefunden, manche nur durch den freundlichen Hinweis anderer Besucher: Auf dem Zettel steht etwa: „Achtung! Pit Viper, Schlange, giftig“ und ein Pfeil nach oben.




Schlangen gibt es hier viele, aber die bewegen sich nicht viel, weshalb es sich lohnt, Zettel aufzuhängen: Diese grünen Pit Vipern sind gut getarnt und bleiben etwa zwei Wochen oder noch länger an der gleichen Stelle sitzen.
Das schöne an Bako ist, dass man an mehreren Stellen des Parks an den Strand gehen kann :)




Von Kuching aus ging es nach Miri. Wir sind mit dem Bus gefahren und haben den Nachtbus genommen. Da kann man wenigstens (versuchen zu) schlafen auf der 14-stündigen Fahrt.
Miri an sich ist keine hübsche Stadt, um es freundlich auszudrücken: Viele Gebäude in schlechtem Zustand und dazwischen, lieblos verstreut, wenige moderne und einige weniger moderne Hochhäuser und Shoppingmalls. Gehwege gibt es fast gar nicht und Fußgängerampeln funktionieren meistens nicht, wenn es sie mal gibt.
Um von A nach B zu kommen, haben wir es mit dem öffentlichen Nahverkehr, der hier aus Bussen besteht, versucht. Das Busfahren hatte, sowohl in Kuching als auch hier, viel mit einer Schnitzeljagd gemeinsam: Bushaltestellen gibt es recht viele, aber die haben weder einen Namen noch eine Nummer und erst recht keinen aushängenden Fahrplan. Ein gutes Zeichen ist immer, wenn schon Leute da sitzen, da kann man sicher sein, dass auch bald ein Bus kommt. Ansonsten muss man sich halt durchfragen und bekommt dann so Antworten wie: „Fahrt mit dem Bus aus der Stadt raus, bis zu großen Petronas Tankstelle und fragt da nach der Abkürzung zum Busterminal“. Haben wir gemacht: Die Abkürzung bestand aus einem Loch im Zaun und dahinter einem Trampelpfad durch einen kleinen Wald, aber wir sind immer da angekommen, wo wir hinwollten :) Ein bisschen erschwerend dabei ist, dass längst nicht alle Englisch sprechen und dann trotzdem „ja“ sagen, auch wenn sie einen gar nicht verstanden haben. Wenn man den Busfahrer also fragt, ob er ins Stadtzentrum fährt und er „Ja“ sagt, sollte man trotzdem gut aufpassen, wo der Bus abbiegt ;)
Die Langstreckenbusse dagegen sind sehr gut organisiert. Da gibt es riesige Busterminals, mit digitalen Anzeigetafeln und einer Wartehalle wie am Flughafen.

Von Miri aus haben einen Tagestrip zum kleinen Lambir Hills National Park gemacht. Da haben wir aber nicht so viele Tiere gesehen und sind ordentlich nass geworden...



Chinesischer Tempel in Miri

Danach ging es zum Mulu Nationalpark. Den kann man nur mit dem Flugzeug erreichen. Mit einem relativ kleinen Flugzeug...

72 Passagiere fasst das Flugzeug. Wir
waren zu zehnt :)

Das Besondere an Mulu sind die vielen und großen Höhlen in den Kalksteinfelsen. Eine davon ist die" Deer Cave" aus der jeden Abend vor Sonnenuntergang mehrere Millionen Fledermäuse strömen, um bei Nacht zu jagen. Dieses Schauspiel haben wir uns am Abend unserer Ankunft angesehen.

Unten, mittig: der Eingang zur "Deer Cave"



Besser nicht zu nah ran gehen...

Übernachten kann man sowohl im Park, was ziemlich teuer ist, als auch außerhalb des Parks im winzig kleinen Ort Mulu. Hier haben wir in einem Hostel übernachtet, sehr einfach eingerichtet, aber das beste Frühstück was wir in Asien bis jetzt bekommen haben :) Mit Reis oder gebratenen Nudeln, Pfannkuchen, frittierten Bananen oder frischer Ananas und vielen anderen leckeren Kleinigkeiten.
Zu Fuß brauchten wir nur sechs Minuten zum Parkeingang.

Auf dem Weg vom Hostel zum Park

Da haben wir dann eine kurze Bootsfahrt auf dem Fluss unternommen um zwei der riesigen Höhlen zu besichtigen. In den so genannten „Showcaves“ läuft man auf Holzstegen, Treppen und Brücken durch die ausgeleuchteten Höhlen.

Es war so wenig Wasser im Fluss, dass wir
das Boot manchmal schieben mussten. 

Mit solchen Booten sind wir gefahren

Ausgang der "Cave of the Wind"

Clearwater Cave

Am nächsten Tag haben wir morgens den „Canopywalk“ gemacht. Da geht’s auf knapp 40m Höhe auf Hängebrücken durch den Wald, um die Tierwelt in den höheren Stockwerken des Regenwaldes zu bewundern. Da die restlichen sieben angemeldeten Teilnehmer nicht erschienen sind, waren wir mit unserem Guide, Heidi, allein unterwegs :) Wir haben Eichhörnchen, Vögel und Schmetterlinge gesehen und wer hätte es gedacht: Natürlich auch hier wieder Schlangen.

Fast 30°C, aber wegen Insekten
doch lieber lange Ärmel... ;)

Canopy Walk


Am Nachmittags haben wir eine der einfachen Adventurecave-Touren mitgemacht. Hier klettert man mit Helm und Kopflampe durch die Höhle, an Seilen hoch und runter und durch enge Zwischenräume. Gesichert ist man dabei durch Seile und Karabiner, die man an den festmontierten Seilen an der Höhlenwand einklinkt. Unser Guide war wieder Heidi und mit einer sehr lustigen und fitten Truppe aus insgesamt fünf Teilnehmern und einem Guide ging es etwa vier Stunden hoch und runter und geradeaus durch die „Stonehorsecave“. Das hat riesig viel Spaß gemacht :)




Es wäre ja nicht Borneo, wenn es nicht auch hier wieder giftige Tiere geben würde... Hier zum Beispiel ein Centiped (Hundertfüßler).

Dieses Exemplar hab ich auf dem Nightwalk in Bako
fotografiert. Die in der Höhle waren größer...

 Nach einer wirklich nötigen Dusche (wir sahen aus wie Schweine, als wir aus der Höhle kamen) hatte das Cafe, bei dem wir essen waren, folgenden Zettel ausgehängt:


Manch einer hat kopfschütteld zur Kenntnis genommen, dass man nicht mal im Dschungel auf Borneo dem Fußballwahn entkommen kann. Andere haben sich gefreut, so wie wir und etwa 15 andere Interessierte, und haben sich pünktlich um vier Uhr morgens im Cafe „Good Luck“ versammelt :) Der Name war Programm: Auf einer großen Leinwand haben wir den überragenden Sieg des deutschen Teams verfolgt. Am nächsten Morgen, oder besser gesagt: Wenige Stunden später, ging es zurück nach Miri.
Wenn man von einem der giftigen Tiere gebissen wird, wird man mit dem Helikopter zur nächsten Klinik geflogen. Laut Heidi kommt das öfter vor, aber nur weil Touristen versuchen, die Tiere anzufassen. Unser Flugzeug musste vor dem Start kurz warten, weil der Heli auf der Startbahn stand und eine junge Frau auf einer Trage eingeladen wurde... Vielleicht hatte sie sich ja auch einfach nur verletzt und keines der Tiere war beteiligt...
Von Miri ging es direkt weiter nach Brunei Darussalam. Brunei ist eins der reichsten Länder Asiens und eins der kleinsten Länder der Welt. Dank Ölquellen vor der Küste zahlen die Menschen hier keine Steuern und das Gesundheits- und Bildungssystem sind kostenlos. Außerdem ist der Sprit unglaublich günstig. Regiert wird der kleine Staat von einem Sultan, der viele prunkvolle Moscheen baut. Brunei ist sehr stark islamisch geprägt und da gerade Ramadhan ist, wird gefastet. Von etwa 6:00 Uhr morgens bis etwa 6:30 Uhr abends darf weder gegessen noch getrunken werden. Auch in Malaysia gibt es viele Leute die fasten, aber in Brunei ist es bei Strafe verboten tagsüber in der Öffentlichkeit zu essen oder etwas zu trinken. Nichtmal Wasser ist erlaubt... und das bei 30°C. Kaum ein Restaurant hat tagsüber geöffnet und falls doch, darf man das Essen nur mitnehmen und zu Hause essen. Das wäre in diesem Fall das einzige Hostel, dass es in der Stadt gibt. Männer und Frauen sind hier in verschiedenen Gebäudetrakten untergebracht und dürfen den jeweils anderen Teil nicht betreten. Das macht die Sache mit dem tagsüber Essen zu einer äußerst romantischen Angelegenheit: Fastfood allein im Zimmer … ;) In dem Hostel ist nicht viel los. Ich schlafe in einem Raum mit zehn Betten, alleine... Das hat wohl zu diesem ungewöhnlich langen und ausführlichen Blogeintrag geführt. In Brunei gibt es auch nicht soviel zu sehen, deshalb werden wir nicht lange bleiben. 

Moschee in Bruneis Hauptstadt